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Liebesbegehren – Veronika Schmidt

October 24, 2019

TIPPS FÜR EIN AUFREGENDERES SEXLEBEN GESUCHT

by Veronika Schmidt in Ehe, Ehesex, Erregung, Liebe, Lust, Sex Tipp, Sextoys, Sexualität allgemein, Sexuelles Begehren, 2019


foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

Liebe Veronika

Ich suche Tipps, wie mein Mann und ich unser Sexleben aufregender gestalten können. Er hat zwar viele Vorstellungen und Fantasien, will sie mit mir aber nicht teilen aus Angst, dass ich diese kategorisch ablehnen könnte. Er ist generell sexuell freizügig und offen, ich eher verklemmt und altmodisch. Nun bat er mich, mit neuen Ideen zu kommen, aber ich möchte ungern irgendwelche Videos/Fotos schauen, habe aber auch wenig Vorstellungen, was ausserhalb der klassischen Sexstellungen möglich ist.

Würde mich sehr über Tipps, auch zur weiteren Recherche, freuen.
Danke! Kerstin, 32 Jahre


Liebe Kerstin

Es ist löblich, dass Du Dich für ein aufregenderes Sexleben interessierst. Ich hoffe, Du machst es nicht nur, um Deinen Mann zufrieden zu stellen. Denn ganz wichtig ist, dass Du nicht nach aufregenden Sachen suchst unter dem Motto: «Was könnte meinen Mann gefallen», sondern Dich zuallererst damit befasst, was Dir selbst gefallen könnte. Was Euer Sexleben am meisten bereichert, ist, wenn Du selbst Deine Lust geniessen und zeigen kannst. Dann ist gar nicht mehr so wichtig, möglichst viel Abwechslung, Dessous, Rasuren, Rollenspiele, Praktiken und Stellungen auszuprobieren.

Doch das alles darf und kann natürlich sein. Es ist auch ein bisschen eine Typfrage. Rollenspiele lieben Menschen, die auch sonst im Leben gerne verschiedenste Facetten ihrer Persönlichkeit ausleben. Nicht wenige ältere Paare haben mir schon geschildert, wie sie mit erotischen Outfits, sexy Schuhen, Reizwäsche, Lack, Leder und Gummi ihre erotischen Spiele aufpeppen, «um das lange Eheleben als Abwechslung und Ergänzung  mit neuen Ideen zu bereichern», wie ein Mann mal sagte. Sie schlüpfen in aktive und passive, dominante und unterwürfige Rollen, in die Rollen der Ärztin im figurbetonten blendend weißen Kittel, in die Rolle des Patienten; in die Rolle des starken Ritters, der nicht fragt, bevor er nimmt; sie experimentieren mit erotischen Vorstellungen, die sie erregend finden und oft ganz anders sind als der gelebte Alltag. Die Hauptsache ist - es gefällt beiden.

Doch wie gesagt, Sex ist dann befriedigend, wenn Du Dich selbst lustvoll erlebst und lustvoll einbringen kannst. Deshalb sollte man seinen Körper gut kennen und wissen, wie der eigenen Körper Lust erlebt und wie Sexualität funktioniert. Ein Lernfeld, auf welchem übrigens auch Männer noch ganz viel dazu lernen können. Um Dich von der «Verklemmung» zu lösen, empfehle ich Dir zuallererst meine beiden Bücher LIEBESLUST und ALLTAGSLUST. Denn es kommt in der Sexualität vor allem darauf an, wie es sich anfühlt, nicht wie es aussieht oder wie ausgefallen es ist. Spielereien sind sozusagen die Kür, die man ausleben kann, aber nicht muss. Meine Bücher zeigen Dir den Weg zu Deinem Körper, zu Dir selbst und Deiner Lust.

Eine wichtige erotische Lustquelle ist die Fantasie. In der Fantasie solltest Du Dich als begehrende Frau sehen können, Dir vorstellen, was Du gerne mit Deinem Mann «anstellen» und erleben möchtest. Dir vorstellen, was Dich erregt und Dich leidenschaftliche Lust erleben lässt. Fantasien kann man allein als Erregungsquelle in Gedanken nützen. Sie können, aber müssen nicht, in die Realität umgesetzt werden.

Um für Dich allein oder gemeinsam mit Deinem Mann weiter auf Entdeckungsreise zu gehen, findest Du angefügt die von Dir gewünschten Tipps. So, nun wünsche Ich Dir ganz viel Experimentierfreude und Mut.

Herzliche Grüsse - Veronika


Hier die gewünschten Tipps:

BÜCHER & SPIELE

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Das Buch von Randi Foxx: DAS FOTO-KAMASUTRA

Bestseller der Liebeskunst. Dieses Buch stellt die lustvollsten Positionen des Kamasutra vor. Ästhetische Farbfotografien ergänzen die erotischen Zeichnungen, mit deren Hilfe alle Stellungen spielerisch ins eigene Liebesleben integriert werden können. Sinnlichkeit und Hingabe verwandeln jeden Akt in ein prickelndes Erlebnis und inspirieren dazu, sich immer wieder von Neuem verführen zu lassen. Randi Foxx ist Amerikanerin, lebte aber viele Jahre in Indien, wo durch alte Kunstwerke mit erotischen Darstellungen und durch das Kamasutra ihre sexuellen Fantasien angeregt wurden. Seither versucht sie diese sexuellen Bilder umzusetzen.


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Das Buch von Monika Büchner: ALLES ÜBER GUTEN SEX

Blümchen-Sex oder Bondage? Lust, Erotik und sexuelle Erfüllung leben von der Fantasie, aber auch von der Freude, sich selbst über den eigenen Körper und die geheimen Hebel der Lust zu entdecken. Die studierte Kunst-Pädagogin, Sexualberaterin, Erotik-Expertin und ausgebildete Tantra-Masseurin Monika Büchner entwirft eine erotische Landkarte des Körpers und zeigt, wo ihm und ihr stimulierende Berührungen am besten gefallen. Die Erotik-Expertin zeigt auch, wie Mann und Frau eine erotische Fantasie mal zwischendurch, an jedem Ort, geniessen können. Lassen Sie sich von diesem lustvollen Ratgeber mit erotischen Kurzgeschichten und humorvollen Illustrationen der Autorin verführen!


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Das Fragespiel von Ann-Marlene Henning: DOCH! DOCH! DOCH!

Ein Erotikspiel zum Verlieben! Sinnliche Illustrationen legen eine prickelnde Stimmung. Aufgabenkarten mit intimen und sexuellen Fragen schaffen Nähe. Die TU ES!-Karten initiieren den ersten, vorsichtigen Körperkontakt. Kreativität und Einfühlvermögen erwachen. Der Zufall und Ihre Stimmung machen den Rest, lassen jedes Spiel einmalig werden. (Inhalt: 20 erotische Motive in 40 Kartenhälften, 120 Fragekarten in drei Kategorien, zwei Jokerkarten, Sanduhr)


das indiskrete fragebuch.jpg

Das Fragebuch von Ulrich Clement: DAS INDISKRETE FRAGEBUCH

Über Sex wird viel geredet, noch mehr wird allerdings verschwiegen. Der erfahrene Paartherapeut Urich Clement hat einen Fragenkatalog entwickelt, der Paare ins Gespräch bringt. Denn Sexualität ist nichts anderes als Kommunikation auf körperlicher Ebene. Nur wer redet, wird gehört. Und wer sich nicht traut, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren, kann nicht hoffen, dass der andere sie errät. Und solange wir nichts wissen von den Sehnsüchten, Fantasien, Empfindlichkeiten des Partners, kann keine echte Nähe entstehen. Eine inspirierende Methode, Sex lebendig zu halten, ist es deshalb, neue Fragen zu stellen. Am besten solche, an die Sie sich noch nie herangewagt haben und die ans Eingemachte gehen. Auf jeder Seite findet sich Platz für eine schriftliche Antwort, sodass das Büchlein als "erotisches Tagebuch" verwahrt oder an den Geliebten weitergegeben werden kann. Mit diesem neugierigen Blick auf den Partner beginnt ein Dialog, der Ihre Sexualität, auch aus tiefstem Schlaf, wecken und wachküssen kann. Autoren Ulrich Clement, geboren 1950, ist Professor für medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg. Er arbeitet als Paar- und Sexualtherapeut mit eigener Praxis


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Tanja Svensson EROTISCHE MASSAGEN FÜR ANFÄNGER

Dieses Buch soll Sie in die Welt der erotischen und partnerschaftlichen Massage einführen. Von der einfachen sinnlichen Massage des anderen, die eine erste, auch emotionale Annäherung herstellen kann, bis hin zur handfesten Lingam-Massage, die den Orgasmus des Partners herbeiführen soll, sollen verschiedenste Massageformen und sinnliche Praktiken erklärt werden. Daneben sollen aber auch Massagetechniken wie die Tantra-Massage und die Thai-Massage, die in erster Linie der körperlichen Entspannung und Erhöhung des körperlichen Wohlbefindens dienen, erläutert werden.


EROTIKSHOP

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Der christliche Erotikshop: WWW.SCHOENERLIEBEN.DE

Willkommen auf Deutschlands erstem Erotikshop mit christlichen Werten! Lest unsere Philosophie und findet heraus, was wir hier warum machen und wieso ein Erotikshop christliche Werte braucht!

Zeit-Artikel


EROTISCHE LITERATUR FÜR DAS KOPFKINO
ist ein ganz eigenes Genre, daraus nur zwei Vorschläge:

das delta der venus.jpg

„DAS DELTA DER VENUS“ von Anaïs Nin

Die Geschichte: Hier handelt es sich um eine Sammlung erotischer Kurzgeschichten, die in den 1930er Jahren geschrieben wurden und angesichts der direkten und unverblümten Beschreibungen des erotischen Akts erstaunlich modern wirken. Der Skandal: Der unverhüllte weibliche Blick auf die Erotik zu dieser Zeit. Die prickelnden Geschichten waren übrigens die Auftragsarbeit eines Sammlers und durften erst 35 Jahre nach ihrer Entstehung, kurz vor dem Tod der Autorin, veröffentlicht werden.


das vollständige kamasutra.jpg

„DAS VOLLSTÄNDIGE KAMASUTRA“ von Mallanaga Vatsyayana

Die Geschichte: Das Buch ist eigentlich eine Sammlung der erotischen indischen Körperkünste, beschreibt viele Sex-Stellungen und gilt als Leitfaden zwischen Mann und Frau. Der Skandal: Die detaillierten Beschreibungen der Sexualpraktiken, die zwischen 200 und 300 n. Chr. verfasst worden sein sollen, gelten heute noch als erotische Inspiration.


EROTISCHE PODCASTS & LERNWEBSEITEN

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Erotischer Podcast: FEMTASY

Erotische Podcasts sind ein eigentliches Frauen-Genre. Finde in mehr als 880 erotischen Hörgeschichten Dein perfektes Erlebnis! Egal, ob romantisch und sanft oder wild und verrucht. Du bestimmst über die Inhalte und ihre Intensität. Du filterst einfach und sicher nach Deinen intimsten Vorlieben: abgestimmt auf Deine Lust, auf Deine Wünsche, auf Deinen Höhepunkt. Und das Beste daran: jede Woche kommen neue passende Erotikgeschichten zum Hören und Genießen für Dich hinzu.

Artikel Annabelle


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OMGYES

Die Website OMGYES will Frauen zu mehr Spaß beim Sex verhelfen – mit sehr expliziten Anleitungsvideos von ganz normalen Frauen. Wer zuschaut, möchte die Techniken schnell selbst ausprobieren. Ergänzung: Die Anleitungen widmen sich ausschliesslich der Vulva, doch die Erkundung des vaginalen Innenraums ist ebenso Teil einer sinnvollen Selbsterfahrung.


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LILLI

Alles Wissenswerte zu Sex - nicht nur für Teenager. Lilli ist eine Schweizer Informations-Plattform und Online-Beratung. Lilli berät zu Sexualität, Verhütung, Beziehung, Gewalt, Frauen- und Männerthemen.


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May 23, 2019

GIBT ES ASEXUALITÄT?

by Veronika Schmidt in Ehesex, Ehe, Grenzen setzen, Lust, Selbsterfahrung, Selbstverantwortung, Sexuelles Begehren, Asexualität, 2019


foto: kai pilger

foto: kai pilger

foto: kai pilger

foto: kai pilger

Liebe Veronika

Bei der Suche nach dem Ursprung und Verstehen meiner sehr geringen Lust an sexueller Begegnung und körperlichen Reizen bin ich auf den Begriff Asexualität und Grey-Asexualität gestossen. Sind für Dich diese Definitionen gegebene sexuelle Orientierungen oder bist Du der Auffassung, dass alles gelernt werden kann und muss, egal welche Ausgangslage man hat?

Ich erkenne mich wieder in den Schilderungen der Grey-Asexualität, wo Romantik und Beziehungsfähigkeit ihre Wichtigkeit haben, jedoch wenig Verlangen nach körperlicher Nähe besteht. Sexualität ist in diesem Fall nicht wichtig für das persönliche Wohlbefinden und es ist keine spontane Lust für sexuelle Begegnung vorhanden.

Wohl stimulieren mich Bilder und Geschichten, jedoch produziert das kein Verlangen bei mir, das Anregende selbst auszuleben oder aktiv zu werden. Ich habe keine Abneigung gegen Sex, meinen eigenen Körper oder den meines Mannes, auch keine negativen Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend. Es ist mir einfach kein Bedürfnis, auch wenn wir viel Sex haben (viermal die Woche) und ich diesen nicht grundsätzlich negativ erlebe. Ich kann dabei auch Spass haben, fühle mich meinem Mann nahe und verbunden und komme auch zum Orgasmus. Trotzdem - es gäbe für mich anderes, dass mit weniger Anstrengung mehr Spass macht, ich lieber Zeit darin investiere.

Ich weiss, dass mein Mann eine hypersexuelle Tendenz hat. Es würde mich entlasten, mich nicht mehr falsch fühlen zu müssen. Ich möchte keine Zeit und Energie mehr darauf verwenden, etwas zu produzieren, das nun mal nicht da ist und ich nicht vermisse. Nicht, dass ich keinen Sex mit meinem Mann mehr stattfinden lassen wollte. Aber ich möchte dazu stehen dürfen, wenn ich nichts fühle oder nicht mehrmals die Woche mit viel Aufwand Erregung und einen Orgasmus produzieren will.

Zufrieden ist mein Mann damit natürlich eh nicht, da er sich eine Frau wünscht, die viel Spass an Sex und körperlicher Nähe hat. Er hadert damit, dass wir mein mangelndes Bedürfnis nicht vor der Ehe bemerkten und er nun immer seine Bedürfnisse zurückstellen muss. Auch ist er sehr verunsichert, was denn nun als Ergänzung zum Paarsex für ihn möglich und richtig ist… Wie siehst Du das Ganze?

Liebe Grüsse, Lenia, 42 Jahre


Liebe Lenia

Es gibt aus Sicht des von mir gelernten Sexualkonzepts keine Asexualität oder Grey-Asexualität. Diese Begriffe sind Erklärungsversuche für das mangelnde Bedürfnis von Menschen nach sexuellem Erleben aus ganz verschiedenen Gründen. Wobei es Unterschiede gibt. Die einen möchten überhaupt keinen Sex, auch nicht mit sich selbst, die anderen möchten keinen Sex mit einem Partner, haben aber sehr wohl sexuelle Bedürfnisse und erleben auch Erregung mit sich selbst und praktizieren Solosex. Das wären dann sozusagen sexuelle «Autisten».

Da wir in der Sexualtherapie davon ausgehen, dass Sexualität, wie alle anderen Fähigkeiten des Menschen, im Laufe des Lebens erlernt werden muss und kann, ist damit das sexuelle Lusterleben bei asexuellen Menschen sozusagen nicht erlernt. Lust, Lust auf Sex, sexuelle Bedürfnisse sind nicht automatisch gegeben. Das einzige, was wir bei der Geburt bezüglich Sex mit auf den Weg bekommen, ist der genitale Erregungsreflex. Sexuelles Lernen beruht u.a. auf der Wahrnehmung des eigenen Körpers und des genitalen Erregungsreflexes. Auf diesem Reflex, genau wie bei allen anderen Reflexen (Atemreflex, Schluckreflex, Bewegungsreflexen etc.), baut sich das Lernen auf. In der Sexualität sind das die sexuellen und erotischen Fähigkeiten. Wir unterscheiden dabei körperliche Fähigkeiten und emotionale Fähigkeiten.

Mit den Bedürfnissen und Nicht-Bedürfnissen ist das so eine Sache. Wir müssen unter Umständen lernen, Bedürfnisse zu befrieden, wenn sie uns, unseren Zielen oder jemand anderem schaden. Oder wir müssen sie wecken, wenn sie uns, unseren Zielen oder dem Zusammenleben dienen sollen. Einige von uns sind vielleicht mit einem ganz natürlichen Bedürfnis nach körperlicher Bewegung und gesundem Essen ausgestattet, ein entsprechender Lebensstil kostet sie wenig Überwindung. Andere müssen sich erst dazu zwingen, bis der gesunde Lebensstil zu einer liebgewordenen Gewohnheit werden kann. Dasselbe gilt auch für unser Sexleben.

Sex ist zwar kein Muss, aber der Konsens ist doch weit verbreitet, dass Sexualität zu einer Beziehung dazugehört und ein Paar auf verschiedenen Ebenen verbindet. Der Psychoanalytiker Peter Schneider nennt es ein «Akt der Freundlichkeit». Andere Sexualtherapeut*innen sagen, wer in der Beziehung keinen Sex wolle, drücke sich um die Verantwortung in der Beziehung.

Nun treffen sich bei Euch ein Nicht-Bedürfnis mit einem Hyper-Bedürfnis, was ein bestimmtes Beziehungsmuster in Gang setzt. Die Erklärung «asexuell» wäre so gesehen ein verlockendes «Attest», welches dazu berechtigt, Sexabstinenz einzufordern, als Gegenpool zu den Über-Forderungen nach Sex. Doch ich möchte Dich eher ermutigen, zwei andere Schienen zu befahren. Einerseits Dich selbst auf einen sexuellen Lern- und Genussweg zu begeben, um sexuelle Bedürfnisse bei Dir zu etablieren, andererseits zu lernen, in Deiner Beziehung zu Dir selbst zu stehen und Dich abzugrenzen. Denn für einen «asexuellen» Menschen lässt Du Dich auf ganz schön viel Sex ein.

Sex und Liebe brauchen sowohl Nähe als auch Distanz. Von Distanz habt ihr vermutlich zu wenig. Wenn ihr so viel Sex habt, kann bei Dir weder eine eigenständige Sehnsucht nach körperlicher Nähe entstehen, noch hast Du genügend Freiraum für eine eigene sexuelle Entwicklung. Erst dann kann eine gewisse Einsicht entstehen, dass der Aspekt Sexualität für eine Paarbeziehung grundsätzlich wichtig ist und es gilt, Verantwortung für seinen Part in der Ehesexualität zu übernehmen. Auch den Part, ein Bedürfnis zu entwickeln, wenn keines da ist.

Offenbar war es Dir in Eurer Ehe nie möglich, eigene sexuelle Bedürfnisse und Empfindungen zu entwickeln, weil diejenigen Deines Mannes alles zugeflutet haben. Wobei ich der Gerechtigkeit halber sagen müsste: «…Du Dich von den Bedürfnissen Deines Mannes hast zufluten lassen.» Sexualität wird weniger zum Krampf, wenn Du Dir erlaubst, darüber anders zu denken, aber auch, indem Du gezielt an Deinen Körperwahrnehmungen arbeitest, ins Spüren und in die Bewegung kommst, wie ich es im Buch ALLTAGSLUST beschreibe. Auch einige ungute Beziehungsmuster sind Thema in diesem Buch. Macht Euch als Paar unabhängiger voneinander! Bestehe auf deiner Unabhängigkeit. Bestehe darauf, dass Dein Mann sein Repertoire an Entspannungstechniken über den Sex hinaus erweitert, für sich selbst. Selbstverständlich kann er sexuelle Bedürfnisse auch mit sich selbst ausleben - und dabei grad auch in den sexuellen Fähigkeiten für sich und als Liebhaber dazu lernen (ALLTAGSLUST). Lass nicht zu, dass Dein Mann dauernd das Thermometer in Euren Sex hält: zu lau, zu wenig heiss, nicht das richtige, zu wenig Leidenschaft, nichts wert. Widerstehe seinem Druck, damit sich bei Dir, bei ihm und in Eurem Sexleben etwas Neues entwickeln kann.

Herzlich - Veronika

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April 11, 2019

DIE ANGST VOR DEM PENISSTREIK

by Veronika Schmidt in Beckenschaukel, Ehesex, Erektion, Erektionsstörung, keine Lust, männliche Sexualität, Sexuelles Begehren, 2019


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Hallo Veronika

Wir haben schon seit jeher Schwierigkeiten mit unserem Sexleben. Schon früh zeigte sich, dass mein Mann „überfordert“ war. Er hatte Erektionsprobleme, wusste nicht so recht, wie er mit meinem Körper umgehen sollte. Ich dachte damals noch, dass ich ihm nur genug beweisen muss, wie sehr ich ihn liebe und er einfach etwas Zeit braucht. Ich ergriff immer wieder die Initiative, war geduldig, habe ihm gesagt und gezeigt, was mir gefällt. Trotzdem wurde es nicht besser und hatte ich ständig den Eindruck, er suche Ausreden, um nicht Sex haben zu müssen.

Ich wollte mich aber nicht mit einer sexlosen Ehe abfinden. Ich habe ihm Bücher zum Thema geschenkt und oft mit ihm darüber gesprochen, jedoch erfolglos, bis wir Kinder wollten. Das erhöhte vorübergehend die Häufigkeit, aber es war für mich weit weg von erfüllender Sexualität. Ich wurde immer frustrierter, und in mir wuchs eine immense Wut. In früheren Beziehungen, bevor ich gläubig wurde, konnte ich zum Orgasmus kommen, war total unbefangen und fühlte mich frei… Und ausgerechnet jetzt, in der Ehe mit dem Mann, den ich über alles liebe, scheint ein erfülltes Sexualleben unmöglich?

Ich fühle mich mittlerweile nicht mehr „ganz“, als würde ein Teil von mir fehlen, oder als wäre in mir etwas zerbrochen. Schon mehrmals habe ich darüber nachgedacht, mich zu trennen. Die Situation ist enorm verfahren und ich weiss einfach nicht, was ich noch tun könnte. Hast Du mir einen Rat?

Violetta, 31 Jahre


Liebe Violetta

Ohne Deine Situation verharmlosen zu wollen - solche Zuschriften erhalte ich Zuhauf von frustrierten Ehemännern. Eine sexlose Ehe stellen sich die wenigsten vor, wenn sie sich für einen Lebensbund mit dem Partner entscheiden. Die Enttäuschung ist riesig, wenn sich das Sexleben dann als Desaster herausstellt. „Was ist bloß mit den Männern los?“ – Diese Suchanfrage bringt bei Google drei Millionen Ergebnisse. Die Zahl der Männer, die explizit sagen, sie haben keine Lust auf Sex, nimmt deutlich zu. Aber gleichzeitig nimmt die Zahl der Frauen zu, denen Sex wichtig ist und über die Jahre wichtig bleibt.

Anders als für die meisten Frauen ist es für Männer schwieriger, mit der Situation umzugehen, dass sie sexuell nicht funktionieren. Ein rechter Mann ist ein potenter Mann. Ist dem nicht so, ist der Mann in seiner ganzen Identität in Frage gestellt. Sprechen kann er darüber meist mit niemandem, auch, weil er darüber voller Scham ist. Du solltest also auf keinen Fall unterschätzen, was es mit Deinem Mann macht, dass er Dich nicht befriedigen kann. Zu sich kommen und bei sich sein, das sehen Experten als eigentliche Voraussetzung für eine glückliche Sexualität, völlig unabhängig davon, wie viel oder wenig Testosteron ein Mann im Blut hat. Die Männlichkeit sollte nicht vom harten Penis abhängen, sondern von der innerlich aufgerichteten Festigkeit. Nicht nur der Penis sollte aufgerichtet sein, sondern der ganze Mann. Dann kann er besser damit leben, wenn „er“ mal nicht steht. Deshalb, wenn Dein Mann sich mit seiner Männlichkeit auseinandersetzen möchte, empfehle ich ihm das Buch von Bjørn Thorsten Leimbach MÄNNLICHKEIT LEBEN - die Stärkung des Maskulinen.

Erektionsstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Leistungsdruck und die Angst, den eigenen, den gesellschaftlichen und den Vorstellungen der Frau von Männlichkeit nicht zu genügen, gehören dazu. Ab einem gewissen Alter wird die Erektion zudem grundsätzlich wackliger und jeder Mann muss irgendwie damit umgehen lernen. Der Penis wird zwar anfälliger für Störungen, gleichzeitig aber auch sensibler für das Schöne. Die wichtigsten Punkte im fortgeschrittenen Alter sind: realistische Erwartungen haben, Beckenbodentraining, Slow-Sex.

Die männliche Erregung ist ein komplexer im Hirn gesteuerter Ablauf und wird beeinflusst durch verschiedenste Erregungsquellen sowie durch die Art und Weise des Muskeleinsatzes bei der Erregungssteigerung, und sie hat sehr viel mit den bereits gemachten Lernschritten zu tun. Auch der männliche Körper spannt in der Angst den Beckenbodenmuskel stark an, ebenso reagiert das Nervensystem auf Angst und Stress mit einem Fluchtreflex, ausgelöst durch eine Botschaft des Bewachungssystems. Manche Frauen können aus Scham beim Sex nicht viel spüren, weil sie die Empfindungen nicht zulassen können oder Ekel dabei empfinden. Aus demselben Grund können manche Männer keine Erektion bekommen oder sie wieder verlieren, sobald sie eindringen wollen. Es würde deinem Mann vermutlich helfen, sich in einer Sexualberatung (Sexualberater, Androloge) mit seiner sexuellen Lerngeschichte auseinander zu setzen. Sich beispielsweise zu fragen, habe ich sexuelle Fantasien? Spielen sie für meine Erregung eine Rolle? Kann ich sie abrufen? Was habe ich für einen Bezug zu meiner Sexualität? Zu meiner Lust? Zu meinem Körper und meinem Penis? Finde ich ihn erotisch und lustvoll? Sind für mich der Körper der Frau, die Vulva und Vagina erotisch? Kann ich sie lustvoll “besetzen”? Möchte mein Penis gerne in die Vagina meiner Frau eindringen? Kann ich diese sexuellen Aktivitäten lustvoll erleben und geniessen?

Was für die Lustlosigkeit vieler Frauen gilt, gilt auch für den Mann. Er sollte Sex lernen. Lust lernen. Sex und Lust üben. Sicherheit, Technik und Routine gewinnen. Üben und dafür entsprechende Zeiten im Alltag einplanen. Für seine Selbsterfahrung, aber dann auch mit Dir als seine Partnerin. Eventuell hilft auch ein Potenzmittel (verschrieben vom Arzt), gepaart mit Beckenboden-Training. Empfehlenswert ist das neue Buch von Ann-Marlene Henning MÄNNER – Körper. Sex. Gesundheit.

Versucht, den Druck von Eurem Sexleben wegzunehmen, denn Erektionsprobleme können genau deshalb entstehen oder sich verstärken. Du selbst solltest versuchen, in die Haltung zu kommen: „Ich bin für meine Lust selbst verantwortlich“, „ich sollte im Sex das tun, was mir am meisten Lust verschafft“, “ich darf mir auch mal selbst Lust verschaffen”. Lass den Mut nicht sinken und mach Dich auf den Weg zu Deiner „unabhängigen“ Lust. Mach Deinen Mann zu einem guten Liebhaber, indem Du ihn davon entlastest, einer sein zu müssen.

Last but not least - plant Euren Sex, einmal die Woche, wenn Ihr Zeit habt, wenn Dein Mann “fit” ist, denkt Euch den Sex vielfältig und spielerisch. Versucht, verschiedenste Formen von Lust zu geniessen. Seid Euch auch zweckfrei körperlich nahe und geniesst diese Zweisamkeit. Es muss nicht immer Penetration und Orgasmus sein. Hauptsache Ihr erlebt Nähe, Verbundenheit und Erotik. Beginnt vielleicht nochmals ganz von vorne, wie am Anfang einer Beziehung: Nähe, Zärtlichkeit, Freundlichkeit, Liebe und Raum für Erotik. Anregungen dazu findet Ihr in meinem Buch ALLTAGSLUST.

Herzlich - Veronika


BLOGS zum Thema:

Ist leidenschaftlicher erotischer Sex wirklich planbar?
Spiritueller empfindungsvoller Slow-Sex
Wenn Mann ruht im Sex

Weitere Links:

On- oder Offline mit dem eigenen Phallus?
Erektionsstörungen - Peter Gehrig
Sex im Alter - Bischof
Sex im Alter - Gubler

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December 13, 2018

Ich habe einen unersättlichen Mann

by Veronika Schmidt in Ehe, Ehesex, Grenzen setzen, Konflikte, Liebe, Lust, männliche Sexualität, Rollenbilder, Selbstverantwortung, Zusammenleben, 2018


foto: romi yusardi

foto: romi yusardi

foto: romi yusardi

foto: romi yusardi

Liebe Veronika

Ich weiss nicht weiter. Mann Mann, 42 und ich, 41 stecken fest. Wir sind 15 Jahre verheiratet, christlich erzogen und aufgewachsen. Seit 2.5 Jahren weiss ich, dass er sich seit der Kindheit mit Selbstbefriedigung und später mit Pornografie beschäftigt. Woher das kommt, wissen wir nicht. Wir sind Umständen wie Isolation und Rückzug in der Kindheit, mangelndem Selbstwert und moralischer Lehre in der Jugend auf der Spur. Er denkt aber, dass diese Dinge nicht seine Sexualität direkt beeinflussen. Er kämpft mit einem guten Umgang seiner Sexualität und ist sehr bemüht, es richtig zu machen. Deine Bücher haben wir gemeinsam gelesen.

Unser Knackpunkt: Am liebsten möchte er täglich Sex – gerne auch mehr. Dabei will er sich begehrt fühlen und ich soll Lust empfinden – nur so kann er den Sex richtig geniessen. Wir verabreden uns fix viermal die Woche (in den Ferien steigt der Anspruch). Ich kann mich darauf einstellen, halte mich bis auf wenige Ausnahmen daran, habe teilweise Orgasmen, kann unsern Sex öfter auch geniessen, doch meistens ist es für mich anstrengend, in Stimmung zu kommen. Danach habe ich nicht das Bedürfnis, "es möglichst bald wieder zu wollen". Der nächste Termin steht zudem ja auch schon fest...

Initiative ergreife ich, weil es so abgemacht ist, nicht aus meinem Bedürfnis heraus. Kuscheln ohne sexuelle Berührung mag ich manchmal, doch weckt es bei ihm sofort das Bedürfnis nach mehr. Uns beschäftigt immer wieder die Frage: Wer ist näher an der Norm, wer muss sich ändern? Wie finden wir einen Konsens, wenn sich sein «Zuwenig» auswirkt auf sein Wohlbefinden, seine allgemeine Motivation und Lebensfreude? Was mache ich mit der Aussicht, dass er eventuell sexsüchtig ist? Er will seine Idealvorstellung nicht loslassen oder reduzieren.

Ich möchte auch meinen Anteil sehen und mich weiter entwickeln. Lustlosigkeit ist sicher ein Thema, ich komme nicht dazu, körperliche Nähe und Sex zu vermissen. Zudem bin ich stark ausgefüllt mit anderen Kontakten, Aufgaben und Beschäftigungen, die mir Freude machen. Ich spüre eine gewisse Co-Abhängigkeit und fühle mich mitverantwortlich dafür, ob er seine Lust mit mir ausleben kann oder zu anderen Lustquellen gezogen wird. Doch je länger wie weniger kann und will ich die Verantwortung tragen. Ich will ein gesundes Mass für unsere Ehe, für unsere schon grösseren Kinder, die fast keine Zeit mit uns am Abend verbringen können. Ich wünsche mir, dass mein Mann seine Bedürfnisse nach Annahme, Entspannung, Sicherheit, Bestätigung auch auf andere Weise (als Sex mit mir) abdeckt. Mit dieser hohen Frequenz und dem hohen Stellenwert möchte ich die Sexualität nicht mehr in unserer Beziehung leben.

Unsere Ressourcen sind, dass wir immer wieder darüber sprechen, zudem allgemein recht viel Zeit miteinander verbringen, erotische Abende planen, auch schon Wochenende zum Thema besuchten, an Ehekursen teilnahmen, um verbunden zu bleiben auf allen Ebenen. Wir wollen wirklich miteinander vorwärts gehen und Gottes Sicht gewinnen, im Gebet danach fragen, doch bisher fehlt uns die Antwort. Wie siehst Du unsere Situation? Was kann uns noch helfen?

Liebe Grüsse - Magda


Liebe Magda

Wenn Euch beiden der Sex an sich und diese wöchentliche Frequenz Spass machen, wäre dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Dann wärt Ihr eines der Paare, die den erwiesenen Durchschnitt von ein- bis zweimal die Woche garantieren, denn es gibt auch sehr viele Paare, die diesen Schnitt deutlich unterschreiten oder sogar überhaupt keinen Sex haben.

Es gibt eine kanadische Studie zum Thema „sexuelle Häufigkeit in Bezug zu sexueller Zufriedenheit“, die besagt, dass einmal die Woche Sex ein Paar zufrieden macht. Weniger macht deutlich unzufrieden. Mehr macht nicht in dem Masse zufriedener, wie sich das derjenige vorstellt, der unbedingt mehr Sex möchte. Im Gegenteil. Nach einem befriedigenden Koitus stellt sich wohlige Eintracht ein. Dieses sexuelle Zufriedenheitsgefühl oder “sexual afterglow” (dt.: sexuelles Nachglühen) hält etwa 48 Stunden an und wirkt auch positiv auf das romantisches Miteinander grundsätzlich. Dieselbe “Afterglow”-Studie kommt handkehrum zu Schluss, dass täglicher Sex sogar unzufrieden mache, weil biologisch gesehen eine Energieverschwendung. Sex ist gut. Viel Sex ist nicht gut. Zu wenig auch nicht.

Es scheint, Du bist die Wellness-Oase Deines Mannes, die ihm hilft, seinen Stress abzubauen. Dass Dir diese Rolle nicht mehr gefällt, solltest Du Deinem Mann in einem konstruktiven Gespräch nochmals ausführen. Ebenso solltest Du zukünftig aushalten können, ihn zeitweilig zu frustrieren und zu enttäuschen. Das gelingt dann, wenn jedes von Euch für seine Sexualität ganz allein die Verantwortung übernimmt. Das könnte zum Beispiel heissen, dass Dein Mann für seine sexuelle Entspannung zwischendurch selbst besorgt ist und Dich (mindestens 48 Stunden) nicht mit einspannt. Findet neue Abmachungen für Eure gemeinsame Paarsexualität.

Euer Konflikt dreht sich wohl weniger um lustvolle Sexualität, als um Pflichterfüllung und vielleicht sogar um Übergriffigkeit. Denn eine aufgezwungene Sexualität ist ein Lustkiller. Wichtig in der Sexualität ist der Satz: „Nur wer NEIN sagen kann, kann auch JA sagen.“ Ich denke, das bedingt auch einen Weg des Umdenkens auf Deiner Seite. Hör auf damit, weiter die ganze Welt, inklusive Deinem Mann, glücklich machen zu wollen/müssen. Das ist wohl der Teil Deiner Kindheit und Vergangenheit. Ich beschreibe in ALLTAGSLUST Themen der Frau, wie “sich selbst ernst nehmen”, “für sich selbst einstehen”.

Sicher ist Eure Analyse in Bezug auf die Kindheit und den sexuellen Lernweg Deines Mann nicht falsch. Männer mit einem starken Bedürfnis nach Sex sollten sich Gedanken darüber machen, welche Funktion Sexualität in ihrem Leben innehat. Sex ist nicht immer gleich einem sexuellen Bedürfnis, sondern kann beinhalten, irgendwelche Sehnsüchte zu stillen, sich selbst zu spüren, seine Männlichkeit zu spüren, den Selbstwert zu bestätigen, die Nähe zum Partner ausschliesslich auf diese Weise erleben zu können oder aber auch einfache Grundbedürfnisse zu stillen, wie Stress abzubauen und zu entspannen. Eine Auseinandersetzung mit diesen Themen könnte Deinem Mann helfen, sich diese Bedürfnisse auch anderweitig und selbst zu stillen. Menschen mit viel Lust sind meist davon überzeugt, ihr Verlangen lasse sich nur durch häufigen Sex stillen. Lust und Erfüllung geschieht aber eher, indem man aufhört, einem «Mehr» hinterherzujagen und stattdessen in ein «Anders» investiert. Es ist ein Problem, wenn Dein Mann denkt, er könne nur glücklich werden, wenn er Sex möglichst häufig ausleben kann. Damit ist er ein Gefangener seiner Wünsche und Bedürfnisse. Es gibt weder ein Recht auf Sex in der Ehe noch darauf, Sex auf eine bestimmte Weise ausleben zu können.

Es wäre schön, Dein Mann liesse sich gewinnen für einen neuen Weg, seine sexuellen Wünsche in die Wahrnehmung seines eigenen Körpers zu investieren und zu sich selbst zu finden. Das neue Männerbuch MÄNNER - Körper. Sex. Gesundheit von Ann-Marlene Henning kann ich Euch als gemeinsame Lektüre sehr empfehlen. Eine weitere Lektüre, sich mit dem eigenen Männerbild auseinanderzusetzen ist das Buch MÄNNLICHKEIT LEBEN - die Stärkung des Maskulinen von Bjørn Thorsten Leimbach.

Dir persönlich wünsche ich, dass Du in eine entspanntere lustvollere Sexualität kommst, zu der Du Dich nicht nur Deinem Mann zuliebe einlässt, sondern Dir darin eigene Wünsche und Bedürfnisse stillst. Wie das geht, findest Du ja in meinen Büchern (Stichworte: Beckenboden, Loslassen, Beckenschaukel, Lust wecken, Lust erleben etc.).

Herzliche Grüsse - Veronika


Ähnlicher Blog: Dreimal Sex die Woche und immer noch unzufrieden

Und hier ein weiterer Link zu Sexsucht von Peter Gehrig


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October 4, 2018

GIBT ES EIN SEXLEBEN NACH DER GEBURT?

by Veronika Schmidt in Ehesex, keine Lust, Kinderwunsch, Geburt, 2018


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© by Veronika Schmidt. Publikation, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.