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Liebesbegehren – Veronika Schmidt

September 2, 2016

Sexueller Missbrauch - das (nicht nur) christliche Tabu

by Veronika Schmidt in Sexueller Missbrauch, Fragen, Gott, Grenzen setzen, Selbstgefühl & Selbstwert, Selbstverantwortung, Sünde, Zusammenleben, 2016


foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

foto: liebesbegehren

Liebe Veronika

Ich beschäftige mich aktuell beruflich stark mit dem Thema "sexueller Missbrauch". Dabei stelle ich mir immer mehr die Frage, was Sexualität denn so bedeutsam macht, dass die Menschen sie benutzen, um andere Menschen zu erniedrigen, und warum ein sexueller Missbrauch Menschen so umfassend zerstören kann.

Klar, auch körperliche und seelische Gewalt zerstören. Aber warum benutzen Menschen überhaupt die Sexualität dazu? Oder warum benutzt Satan die Sexualität/sexuelle Identität um zu zerstören?

Warum ist Sexualität so wichtig für den Menschen? Warum hat Gott dem so eine Bedeutung beigemessen und was hat er sich dabei gedacht?

Schliesslich noch die Frage, warum hat Gott Sexualität überhaupt für nötig befunden? Bitte nicht die Antwort "weil‘s schön ist", sondern was wiederspiegelt sie und wie steht Sexualität in Verbindung mit der geistlichen Dimension?

Bin mega gespannt auf Deine Antwort.
Herzlich, Isabella, 34 Jahre

 


Phuu, liebe Isabella, Du bringst mich echt ins Schwitzen!

Deine Fragen beschäftigen alle, die mit sexuellen Verletzungen, Missbrauch und Ausbeutung konfrontiert oder davon betroffen sind. Mich machen viele Geschichten, die ich höre, ziemlich sprachlos. Vor allem, wenn die Täter Christen sind. Dazu noch Christen in Leitungsverantwortung. Wie können Menschen – oft, aber nicht immer Männer -  solche Dinge tun? Weshalb werden diese Dinge in der christlichen Gemeinde verschwiegen und unter den Teppich gekehrt? Weshalb werden Opfer zu Tätern gemacht? Die Betroffene ILLE OCHS hat sich diesen schmerzhaften Fragen in ihrem neuen Buch IM KÄFIG DER ANGST gestellt.

Als Therapeutin bemühe ich mich sehr, das Gute, das Potenzial im Menschen zu sehen. Doch angesichts aller Gräuel in dieser Welt – schon immer, nicht erst heute – fühle ich mich oft ohnmächtig gegenüber der Bösartigkeit des Menschen. Ist der Mensch eine Bestie? Was macht den Menschen zur Bestie? Oft auch zu einer Bestie im Nadelstreifenanzug? Die gefallene Schöpfung, der sündige gottferne Mensch, die Mächte der Finsternis sind als Erklärung für Dich sicher nicht zufriedenstellend. Und Du fragst ja nach Gründen für die sexuelle Gewalt.

Die Welt wird regiert mittels Macht, Geld und Sex. Heute bin ich überzeugt, alle drei bedingen einander. Wo das eine ist, sind auch die anderen. Aber weder mit Macht noch mit Geld lassen sich Menschen so nachhaltig zerstören wie mit Sex. Und weil der Mensch das offenbar weiss, gibt es keine Kriege ohne systematische sexuelle Gewalt. Weltweit wird mehr Geld verdient mit sexueller Gewalt als mit Drogen – und entsprechend natürlich auch konsumiert. Menschenhandel und Sklaverei sind weiter verbreitet als je zuvor in der gesamten Menschheitsgeschichte und immer gepaart mit sexueller Gewalt.

Sexuelle Übergriffe, egal welcher Intensität, verletzen oder zerstören unsere persönliche Integrität und Identität. Und weshalb mehr als alle andere Gewalt? Weil es keine krassere Grenzüberschreitung gibt. Weil sie eine eindringende Gewalt ist. Sie dringt buchstäblich und real in den Körper ein. Und sie lässt nicht nur seelische und körperliche Verletzungen zurück, sondern auch die innere Verschmutzung vom Peiniger und im schlimmsten Fall ein Kind. Sämtliche Wahlmöglichkeiten und die Würde werden einem genommen. Und genau das zerstört unsere Person, welche, wenn intakt, angelegt ist auf menschliches Zusammensein, welches nur gesund stattfinden kann, wenn die gegenseitigen „Grenzen“ (Integrität) und das „Wer-ich- bin“ (Identität) gewahrt werden und ich diese verteidigen kann (mit Grenzen setzen und Kommunikation*). Täter achten und respektieren keinerlei persönliche Grenzen.

Du fragst, weshalb gibt es Sexualität überhaupt? Was hat sich Gott dabei gedacht? Ich möchte mir nicht anmassen, das zu wissen. Aber ich finde für mich ein paar Gedanken, die mir gefallen. Es gibt Bibelausleger, die aufgrund der verschiedenen Schöpfungsberichte davon ausgehen, dass der Mann und die Männin im Paradies noch nicht den irdischen Körper und keinen Sex hatten. Auch in der Ewigkeit werden wir nicht mehr im irdischen Körper und in sexueller Weise Mann und Frau sein. Wie dem auch sei - es gab im Paradies also engste ganzheitliche Beziehung und Gemeinschaft untereinander und zu Gott. Für Gott hätte das so bleiben können. Es war ja noch nichts vergänglich. Doch dann haben die zwei Paradiesmenschen das einzige bestehende Stopp-Signal übertreten (Grenzüberschreitung) und mussten in der Folge die Gemeinschaft mit Gott verlassen. Angst, Scham, Einsamkeit, alle die uns so vertrauten Gefühle bestimmten nun ihr Leben. Sie bekamen einen irdischen, verwesenden Körper und die Sexualität, damit sie sich wenigsten auf diese menschliche Art ähnlich nahe sein konnten, wie zuvor in der Nähe mit Gott. Sie sollten sich auch vermehren können, weil ja nun alles endlich sein würde, vom Tod bedroht.

Es hätte schon Sinn gemacht und würde immer noch Sinn machen, wenn wir verantwortungsvoll damit umgehen würden. Nichts bringt uns dem Partner näher, als wenn wir uns geistig, seelisch und körperlich unverschämt zeigen und auf ihn einlassen können. Mehr Nähe geht nicht. Das ist für mich die geistliche Dimension. Auch nichtgläubige Paare bestätigen, dass es diese tiefen spirituellen Momente im Geschlechtsakt gibt. Und umgekehrt erleben gläubige Paare nicht unbedingt diese Intimität, wenn sie sich einander nicht in dieser Dimension öffnen. Immer wieder drückt Gott in der Bibel seine Sehnsucht nach tiefer Gemeinschaft mit dem Menschen aus und vergleicht sie mit der Paarbeziehung. Er wünscht sich, dass es für alle, für ihn mit den Menschen, für die Paare miteinander, so wäre, wie von Anfang an gedacht. Aber wir haben alles pervertiert, um damit unsere Macht auszuspielen, den anderen zu erniedrigen und zu quälen. Selbst Christen sind nicht davor gefeit, gequält zu werden, noch wohnt in ihnen automatisch das Gute.

Und so sind wir nun beim freien Willen des Menschen. Jedem Menschen. Wir haben eine Wahl. Wir haben einen freien Willen, Gott hat sich so entschieden. Wir Christen sagen oft so schnell, Satan habe alles Gute von Gott pervertiert. Siehe auch den Beitrag DIE DÄMONISIERUNG DES SEXUALTRIEBS. Doch wer ist Satan? Wer sind die Dämonen? Sitzt nicht in uns drin unser grösster Feind, unsere dämonischste Finsternis, unsere schrecklichste Bedrohung? Die Gier nach Macht, Einfluss, Geld, Ausschweifungen, Lustbefriedigung um jeden Preis, Bequemlichkeit um jeden Preis? Immer mal wieder sitzt ein von einer Affäre betroffenes Paar vor mir und sagt übereinstimmend: „Das ist ein dämonischer Angriff auf unsere Ehe.“ „Die andere Frau, der andere Mann ist in unsere Ehe eingedrungen.“ – Entschuldigung, so einfach ist es nie. Selbst wenn ich verführt werden sollte, habe ich die Wahl, mich darauf einzulassen. Oft habe ich bis zur letzten Wahl schon ein paar andere Entscheidungen getroffen. Oder Nicht-Entscheidungen, was auch eine Wahl ist.

Unser Leben ist ein uns von Gott anvertrautes Pfund. Nicht jeder hat dieselben Voraussetzungen, dasselbe Mass. Aber wir sollen nach bestem Wissen und Gewissen daraus was Gutes machen. Doch wenn was schief läuft, ruft der Mensch in seinem Entsetzen aus: „Wo war da Gott?“. Ich frage: „Wo ist da Gott in Dir, in Deinem Nächsten, in der Weltgemeinschaft? Kümmert es jemanden, wie Gott es meinen würde, damit es ein gutes Leben für alle gibt?“ Ich kann Gott nur in mir selbst finden, in meiner Beziehung zu ihm oder in anderen Menschen, die Gott lieben und in der Gemeinschaft mit ihnen. Es gibt im Moment nur den Beziehungsgott, der sich in unserem Leben zeigt. Der Weltengott zeigt sich noch nicht, aber die ganze Schöpfung wartet darauf, dass er es tut. (Römer 8, 18-39). Indem wir uns für missbrauchte Menschen einsetzen und dafür, dass (sexuelle) Ausbeutung in allen Formen aufhört, können wir die Freiheit und Erlösung im Kleinen schon wahrmachen.

Du fragst auch: „Was macht Sexualität zentral?“ Sexualität, Geschlechtlichkeit und die entsprechenden körperlichen, hormonellen und hirnorganischen Vorgänge sind hoch komplex und machen uns erst zu einer Frau oder einem Mann und stiften die entsprechende Identität. Sexualität beschert uns über diese Vorgänge hinaus auch einen inneren Motor, einen Antrieb. Sexualität ist Energie in uns. Dieser Motor ist nicht zwingend die sexuelle Betätigung, aber auch. Die sexuelle Anlage an sich ist es. Dass ich bewusst damit lebe und mich als sexuelles Wesen anerkenne mit sexuellen Sehnsüchten. Dass das gut so ist und ich meinen Körper und seine Empfindungen lieben darf. Diese sexuelle Energie und Sehnsüchte kann ich auch auf nicht sexuelle Dinge und Beziehungen übertragen und ausleben. In Kreativität, Nächstenliebe, Projekte, Freundschaft, eigenem Wohlbefinden usw. Das können wir vielleicht erst verstehen, wenn wir an Menschen die schrecklichen Folgen  zerstörter Sexualität sehen. Die Persönlichkeit ist gebrochen. Energie und Kreativität sind weg. Alles im Leben fällt schwer. Das Lebhafte ist weg. Der Missbrauch ist vielleicht verdrängt, abgespalten und verborgen, aber das Empfinden von Geborgenheit, Freude, Lebendigkeit und Beständigkeit kann sich nicht mehr einstellen.

Liebe Isabella, unsere Geschlechtlichkeit, unsere Sexualität ist viel umfassender und ganzheitlicher, als nur der sexuelle Akt. Gott hat es so eingerichtet, damit für ein Paar tiefste, umfassendste Intimität. Vertrautheit und Gemeinschaft möglich ist, dass wir ineinander uns selbst finden können und unsere Persönlichkeit entwickeln. Davon schreib ich auch im zweiten Teil in meinem Buch. Pervertierte Sexualität wird genau das Gegenteil bewirken. Wir verlieren uns als Paar, verlieren uns selbst, werden distanziert, hart und kalt und entwickeln uns im schlimmsten Fall zur egoistischen Bestie, die den anderen quält, erniedrigt und ihm den Lebensmotor abwürgt.

Herzliche Grüsse – Veronika

* Buchempfehlung
  GRENZEN SETZEN - GRENZEN ACHTEN
von Anselm Grün und Ramona Robben
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June 17, 2016

Der Mythos Sexualtrieb - oder die naive Dämonisierung durch religiöse Eiferer

by Veronika Schmidt in Aufklärung, Aufreger, Gott, Selbstverantwortung, Sexualität allgemein, Sünde, Meistgelesen!, 2016


verdammtersex.ipg
verdammtersex.ipg

Moral kommt aus dem Vorbild, der Übung und der Verlässlichkeit, nicht aus der Predigt.

Thomas Widmer


Sex gleich Trieb? Kein Trieb – echt nicht!

Wir können verhungern, an Flüssigkeitsmangel sterben, sogar an Schlafentzug. Aber niemand ist je daran gestorben, dass er nicht flachgelegt wurde. Es entsteht kein körperlicher Schaden, wenn wir sexuelles Verlangen nicht „füttern“. Sex funktioniert nach dem Prinzip der „Anreizmotivation“. Wenn sich Sex trotzdem wie ein Trieb anfühlt, dann deshalb, weil gewisse Menschen ein sehr empfindliches Gaspedal haben, für die die ganze Welt ein ständiger Anturner sein kann. Nicht das Verlangen selbst macht uns das Unbehagen, sondern dass wir meinen, den sexuellen Anreiz, den verlockenden Partner unbedingt bekommen zu müssen. Wenn dem nicht so ist, wir aber meinen, das müsse jetzt so sein, werden wir innerlich zum trotzenden Kleinkind, zuerst frustriert, dann wütend und irgendwann verzweifelt. Und dieses „Scheissgefühl“ nennen wir gerne Sextrieb.


Der Begriff Sexualtrieb ist tief in unseren Köpfen und unserem Wortschatz verankert. Selbst Sexualwissenschaftler und Sexualtherapeuten verwenden ihn, obwohl eigentlich überholt. Wir verdanken die Trieblehre Sigmund Freud. Er ging davon aus, dass der Mensch von einer mehr oder weniger grossen Anzahl von Trieben gesteuert wird, vor allem in der Sexualität.

Der Sexualwissenschaftler Gunther Schmidt sagt dazu: „Der Trieb war die leitende Metapher für das Verständnis der Sexualität im 19. bis weit in das 20. Jahrhundert. Diesem Modell zufolge bauen sich sexuelle Spannungen ständig auf, als stünde ein Kessel Wasser unter Dampf, und dieser müsse abgelassen werden, um Schaden zu verhindern. Diese Triebtheorie entstand um 1900. Damals wurde die Sexualität verachtet und streng geregelt. So wurde durch Freud die Sexualität zu einer Kraft, die impulshaft jederzeit Macht über uns gewinnen kann, ein wildes Tier, eingeschlossen in uns, gefährlich und immer ausbruchsbereit.“

Zum Mythos Sexualtrieb ergänzt der Sexualwissenschaftler Erwin Hämmerle: „Die Triebtheorie hat man mittlerweile fallen gelassen. Das sexuelle Potential ist allen anderen menschlichen Potentialen wie Singen, Tanzen, Sprechen usw. gleichgestellt. Punkto Sexualität sind wir zudem gar nicht so triebgesteuert, wie oft behauptet. Sexuelle Lust ist bei jedem anders ausgeprägt und hat viel mit den gesellschaftlichen Umständen zu tun.“

Begierde ist eher Unwissen

Was drängt uns dann, wenn kein Trieb? Wenn uns nicht der böse Trieb und kein Dämon und nicht der Teufel drängt? Moment mal! - Nicht der Teufel ist schuld? Das wäre doch so schön gewesen. Nach dem Motto: „Das war nicht ich – das war der böse Trieb.“

Die Bibel gibt uns keinerlei Schützenhilfe, diese Verantwortung abzuschieben. Sie ist in ihren Aussagen ganz klar. Es sind unsere eigenen Begierden, die wir aufsteigen lassen, nähren und denen wir im schlechtesten Fall erlauben, uns zu verschlingen. Wir sind also einmal mehr bei der Selbststeuerung gelandet:

„Jeder Mensch wird durch seine eigenen Begierden (seinem eigenen Willen, seinen eigenen Wünschen und der eigenen Vorstellungskraft) dazu verleitet, Böses zu tun.“ (Jak 1,14 NL)

Es gibt sogar diese ganz interessante Bibelstelle, aus der man herauslesen kann, dass getriebenes Begehren, und in der Konsequenz auch die vehemente Bekämpfung der Sexualität, eher die Folge von Unwissen sind:

 „Als Kinder des Gehorsams passt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit herrschten.“ (1Petr 1,14 ELB) … oder: „Damals wusstet ihr es nicht besser.“ (NL)

Sexualkriminologen gehen heute davon aus, dass hinter sexuellen Straftaten oft gar keine sexuellen Motive stehen, sondern aggressive Bedürfnisse und Machtdemonstrationen. Und hinter ausschweifender Sexualität steht erwiesenermassen oft mangelnde Selbstkontrolle, mangelnde Selbststeuerung und mangelndes Selbst(wert)gefühl. Oft auch enthemmt aufgrund von Alkohol, Drogen oder Pornokonsum.

Dass die christliche Lebenswelt jahrhundertelang die sexuelle Lust, die sexuellen Bedürfnisse, das sexuelle Begehren dämonisiert hat, ist schlicht Unwissen aber auch Machterhalt von patriarchalen Strukturen.

Sexualität hat eine Geschichte

Im 20. und 21. Jahrhundert hat nicht nur die Biologie für neue Erkenntnisse gesorgt, sondern auch die Psychologie, Ethnologie und Soziologie. Dazu kam die neue Disziplin der Sexualwissenschaft. Zum Beispiel fand die Forschung heraus, dass es Masturbation bei beiden Geschlechtern in fast jeder Gesellschaft überall auf der Welt gibt. Dass sich keine einheitlichen Normen für vorehelichen oder ausserehelichen Sex finden liessen. Viele dieser Informationen relativierten die absoluten allgemeingültigen traditionellen westlichen Normen und veränderten die Rollen von Mann und Frau nachhaltig.

„Besonders die Stärkung des weiblichen Selbstbewusstseins, vor allem in den letzten 50 Jahren, brachte eine signifikante Lockerung traditioneller Sexualnormen. Viele Jahrhunderte, in denen eine von Grund auf falsche Weltwahrnehmung dem Sexismus zur Blüte verhalf, liessen viele Frauen an der Gültigkeit fast aller früherer Lehren zu den Grundsätzen der Sexualmoral zweifeln. Frauen haben die Irrationalität sexueller Tabus unmittelbar erfahren.“(aus VERDAMMTER SEX von der Nonne Margaret A. Farley)

Auch die Theologie hat wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die menschliche Sexualität und das Sexualverhalten geliefert. Publikationen aus römisch-katholischer (nicht von den hohen Würdenträgern) und protestantischer Tradition läuteten eine ganz neue Ära für eine christliche Sexualethik ein. Bibelforscher haben sich mit Fragen der Sexualethik befasst und jüdische Theologen haben zu diesen Fragen wichtige Untersuchungen beigetragen. Alle diese Bemühungen lassen einfach nicht mehr zu, sich einer naiven Betrachtungsweise der Sexualität hinzugeben, schon gar nicht der Sichtweise, ein Trieb überfalle uns, wenn möglich noch vom Teufel geschickt.

Die naive Betrachtungsweise hat über Jahrhunderte die sexuellen Bedürfnisse und damit einhergehend vor allem auch die Frau dämonisiert. Aus biblisch-jüdischer Tradition ist dies überhaupt nicht begründbar, sondern, geschichtlich belegbar, anderen Strömungen zuzuordnen. Wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt die unten angeführten Bücher lesen.

Vor allem die Freikirchen tun sich manchmal je nach Thema immer noch schwer damit, dass Glauben und Wissenschaftlichkeit, Geisteswirken und Management,  Theologie und Naturwissenschaft unter der gleichen Sonne Platz haben. Doch am allerschwersten tun sie sich mit der Sexual- und Ehe-Ethik. Dies ist die letzte umkämpfte Bastion, begründet mit den immer gleichen Bibelstellen. Doch der Systemfehler könnte in deren Interpretation liegen.

Der Apologet und Naturwissenschaftler Felix Ruther meint dazu: „Wer aus der Vollkommenheit Gottes einen vollkommenen Bibeltext ableitet, formuliert ein logisches Prinzip, das es in der Bibel so nicht gibt. Widersprüche sieht der Mensch, der glaubt, dass alle Worte der Bibel gleich gewertet werden müssen. Die Texte der Bibel sind aber in ganz verschiedenen historischen Situationen entstanden, und man kann, ausgehend von den ältesten Texten bis zu den Evangelien, eine pädagogische Absicht Gottes entdecken. Wenn Lamech (1. Mose 4) sich noch brüstet, für eine zugefügte Wunde einen Mann zu erschlagen, dann steht im „Auge um Auge-Prinzip“ die Strafe schon in einem massvollen Verhältnis zur Tat. Das grosse Ziel auf das Gott mit den Menschen zugehen möchte ist „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Dämonisierte Sexualität

Dämonisches und auch magisches Denken wird durch eine Entweder-oder-Logik geprägt, in der alles, was einem begegnet, unterschieden wird in „gut oder böse“, „krank oder gesund“, „ Freund oder Feind“, „wir oder sie“. Das Zulassen von Vielseitigkeit und Komplexität hingegen gilt als Zeichen von Schwäche.

Mit diesem Denken geht die Vorstellung einher, es gebe endgültige Lösungen für die eigenen Probleme und wir könnten uns anstrengen, einen andauernden Glückszustand zu erreichen. Dämonisierendes Denken und die Vorstellung erreichbaren absoluten Glücks ist für das Wohlergehen des Menschen höchst ungesund. Denn wer sich auf die Suche nach absoluten Lösungen für ein Problem macht, ist gelinde ausgedrückt, wenig geduldig mit sich und anderen. Vor allem, wenn diese Anderen die Suche zu behindern scheinen. Und deshalb steckt hinter der Fassade eines eifrigen Moralapostels oft dessen immer noch andauernde Kampf mit der eigenen sexuellen Unzulänglichkeit.

Die dämonische und magische Sicht sagt:

  • Alle Sünde und alles Leiden kommt vom Bösen
  • Die Ursachen des Leidens und der Sünde sind tief verborgen
  • Das Aufdecken der verborgenen Kräfte bedarf einer besonderen Form des Wissens
  • Heilung besteht in der Ausrottung des verborgenen Übels
  • Der Andere ist ein fremdartiges und unaufrichtiges Wesen

Doch es gibt eine andere Sichtweise, die uns eine gewisse Gelassenheit, Gottergebenheit und Trost erlaubt. Wir sind zwar vielleicht damit konfrontiert, dass unsere Versuche, uns oder die Welt zu verbessern, begrenzt sind. Aber neben einer gewissen Enttäuschung hat es auch etwas Tröstliches: Wenn es keinen absoluten Sieg gibt, dann gibt es auch keine absolute Niederlage. Der David der Bibel ist ein Meister dieser „ergebenden Sichtweise“.

Die ergebende Sicht sagt:

  • Sünde und Leiden ist ein wesentlicher und unausweichlicher Teil des Lebens
  • Schlechte Handlungen können positiven Eigenschaften entstammen
  • Radikale Lösungen vergrössern oft das Leiden
  • Die Allgegenwärtigkeit des Leidens und der Sünde erfordert Akzeptanz, Mitleiden und Trösten
  • Der Andere ist uns ähnlich

Woher kommen dann die sexuellen Bedürfnisse?

Die biologische Fähigkeit des Menschen, auf äußere Reize mit einer sexuellen Erregung bis hin zum Orgasmus zu reagieren, ist angeboren und beruht auf Nerven und Muskeln. Die rein biologische Fähigkeit ist nur einer der Bausteine der Sexualität. Vieles wird erst im Laufe des Lebens erworben und ausgestaltet.

Die heutige Sexualforschung besagt, dass Menschen in ihrem Verhalten inneren Drehbüchern folgen. Diese Drehbücher kommen aus der Familie, der Erziehung, der Schule, den Medien, dem Freundeskreis, der Religion. Das Problem bei der ganzen Geschichte ist natürlich, dass in unserer Kultur verschiedenste widersprüchliche Drehbücher kursieren. Eltern, Kirche, Lehrer, Freunde, das Kino geben bestimmte Sexualverhalten vor. Jungen Menschen in der Pubertät erscheinen diese Wiedersprüche ganz besonders konfus und sie müssen darin ihr ganz eigenes Drehbuch entwickeln. Und heute weiss man, dass der Einfluss der Freunde in dieser Zeit viel prägender ist als der elterliche. Wir verhalten uns im Alltagsleben nach diesen vorgelebten und verinnerlichten Drehbüchern. Genauso ist es mit dem Sexualverhalten, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht.

Viele Fremdgänger hatten schon fremdgehende Väter. Wenn junge Männer in Horden ins Puff gehen oder ständig Frauen abschleppen, steuert sie nicht ihr Trieb, sondern sie gehorchen schlicht dem Gruppendruck oder einer angeeigneten Vorstellung ihrer Männlichkeit. Wenn christliche junge Männer oder Frauen kein Sexabenteuer auslassen, überwältigt sie nicht ihr Trieb, sondern sie geben ihren Wünschen und ihrem Verlangen oder der Vorstellung der Gleichaltrigen mehr nach als dem Drehbuch der sexuellen Enthaltsamkeit. Diese Entscheidung treffen sie ganz allein.

Für die Liebe zwischen Mann und Frau, und um dieser Liebe Ausdruck zu geben in der Sexualität, haben wir also vor allem viel Potential, dass es zu entdecken gibt. Dabei unterscheidet die Hirnforscherin Helen Fisher keinesfalls zwischen dem Sexuellen Begehren und dem Liebesbegehren oder der Verliebtheit. Sie sagt, Verliebtheit ist kein Gefühl, sondern ebenso ein Trieb. Oder wie wir jetzt wissen – ein Potential!


BÜCHER ZUR GESCHICHTE DER SEXUALITÄT IM CHRISTENTUM:

VERDAMMTER SEX von Margaret A. Farley

EVA von Helen Schüngel-Straumann

EHE, LIEBE & SEXUALITÄT IM CHRISTENTUM von Arnold Angenendt

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May 27, 2016

Ich bin eine 75-jährige Witwe, habe aber immer noch Lust auf Sex mit mir selbst

by Veronika Schmidt in Aufreger, falsche Scham, keusch, Lust, Orgasmus, Selbstbefriedigung, Selbsterfahrung, Selbstgefühl & Selbstwert, Sextoys, Solosex, weibliche Sexualität, Sex im Alter, Selbstverantwortung, Beckenschaukel, 2016


witwe.ipg
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Liebe Veronika

Du betonst in Deinem Blog des Öfteren, dass der weibliche Körper über einen längeren Zeitraum erotisch empfindet und nach Sex verlangt. Das leuchtet mir ein und wird in der Gesellschaft vermutlich auch so gelebt. Nur würde es mich wundernehmen, wie das wiedergeborene gläubige Frauen handhaben und was dazu in christlichen Kreisen gesagt und gelebt wird. Ich wäre sehr interessiert, von Erlebnissen und Erfahrungen im Umgang mit Sexualität von Damen zwischen 70 und 90 Jahren zu hören. Ob ich mich getrauen soll, ein paar Frauen dazu zu befragen oder sogar meinen Gemeindeleiter? Ich gehöre selbst zur Altersgruppe der über 70-Jährigen, bin gläubig, seit ein paar Jahren Witwe und das sexuelle Verlangen ist bei mir immer noch sehr präsent.

Was denkst Du? Ist dieses Thema überhaupt aktuell? Ist es nur tabuisiert und im Abseits gehalten, oder ist Sex für diese Altersstufe tatsächlich Schnee von gestern? Auf Deine Gedanken bin ich sehr gespannt!

Es grüsst herzlich – Hella, 75 Jahre


Liebe Hella

Was für eine freudige Überraschung! Eine 75-jährige Frau auf meinem Blog! Damit hätte ich wahrlich nicht gerechnet. Und auch nicht mit Deiner Frage. Also ganz ehrlich – sie würde mich auch brennend interessieren.

Ich habe praktisch keine Frauen Deines Alters in der Beratung. Deshalb kann ich Dir aus Erfahrung wenig dazu sagen. Aber gläubige geschiedene oder verwitwete etwas jüngere Frauen ohne festen neuen Partner frage ich nach ihrem Sexualleben, und die meisten von ihnen praktizieren fröhlich Solosex. Ein bisschen anders sieht es bei noch nie verheirateten Single-Frauen aus. Da ist oft das schlechte Gewissen als Begleiter mit dabei. Selbst Frauen, die nicht so wahnsinnig gerne Partner-Sex hatten, befriedigen sich doch ab und zu auch selbst. Das scheinen eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe zu sein und auf ein grundsätzliches sexuelles Bedürfnis hinzuweisen.

Wie Du richtig vermutest, leben Frauen in der Gesellschaft ihre Sexualität wohl eher aus als christliche Frauen. Ich kenne zwei auf Frauen spezialisierte Sex-Shops. Die haben einige ältere Kundinnen, die sich da eindecken für ihre Solobedürfnisse. Eine hübsche Geschichte zeigt zudem, dass man gleich zwei Fliegen auf einen Streich schlagen kann. Orgasmen und Kontraktionen des Beckenbodens helfen auch gegen Inkontinenz, was eine Frau im Laden fröhlich bezeugte, die sich einen Vibrator gekauft hatte.

Eine Pflegende in einem christlichen Altersheim bestätigte mir, dass auch alte gläubige Menschen sexuelle Bedürfnisse haben. Selbst in der Gesellschaft wird das Thema stiefmütterlich behandelt, geschweige denn in christlichen Kreisen. Nur schon die Frage „Alterskonkubinat“ können wir Christen nicht diskutieren, weil wir das Gesetz „kein Sex vor der Ehe“ in Stein gemeisselt haben. Ich fand bei der Recherche zu Deiner Frage eine interessante Studie zur Sexualität in der 2. Lebenshälfte. Obwohl die Studie sich vor allem mit der gelebten Paarsexualität befasst, gibt sie einige grundsätzliche Einblicke in die Haltung zur Sexualiät im Alter. Schnee von gestern ist die Alterssexualität auf jeden Fall nicht.

Die Häufigkeit der Selbstbefriedigung wurde in genannter Studie ebenfalls erhoben, aber mangels schlüssigen Zusammenhangs zu partnerschaftlichen sexuellen Aktivitäten nicht ausgewertet. Doch andere Studien (siehe Wikipedia „Alterssexualität“) stellen fest, dass auch das Erreichen sexueller Erfüllung über Selbstbefriedigung im letzten Lebensdrittel für viele Menschen eine wichtige Rolle spielt. Etwa die Hälfte aller Männer und ein knappes Viertel aller Frauen gaben an, sich selbst zu befriedigen. Hierbei wird deutlich, dass sich dabei die Zahlen zwischen Alleinstehenden und in festen Partnerschaften lebenden Menschen nur unwesentlich unterscheiden; dies also in allen Lebensformen als Teil der Sexualität empfunden wird. In Partnerschaften befriedigen sich 52 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen selbst, ähnliche Zahlen ergeben sich für allein lebende Männer (55 %) und Frauen (23 %).

Ob man sich das erlaubt, hat offenbar damit zu tun, wie befriedigend man die Sexualität in jungen Jahren erlebt und gelebt hat und ob einem eine strenge moralische Erziehung die Freude am Sex vergällt oder eine wertschätzende Erziehung die Freude daran geweckt hat. Zum Thema Selbstbefriedigung und Single-Leben habe ich bereits einen BLOG geschrieben.

Liebe Hella, wenn Du Dich traust, wäre es sicher sehr aufschlussreich, mit Deinen Freundinnen und Bekannten über Eure Sexualität zu sprechen. Ja, vielleicht sogar eine grösser angelegte Umfrage in christlichen Kreisen zu starten. Auf dieses Resultat wäre ich doch auch sehr gespannt.

Ich bedanke mich für die Ehre Deines Besuchs auf meinem BLOG und grüsse Dich herzlich - Veronika

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May 20, 2016

Endlich habe ich einen supertollen Freund – und nun bin ich völlig in Panik, weil ich ihn sexuell nicht begehre

by Veronika Schmidt in keine Lust, Küssen, Liebe, Partnerwahl, Selbsterfahrung, Selbstverantwortung, Sex vor der Ehe, sexuelle Komponenten, weibliche Sexualität, Meistgelesen!, 2016


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Liebe Veronika

Vor 10 Jahren bekehrte ich mich und war seitdem Single, da ich mir unbedingt einen christlichen Partner wünschte, aber auch kein "weltlicher" potentieller Mann in dieser Zeit in meinem Leben auftauchte. Nun lernte ich über ein christliches Portal einen Freund (30 Jahre) kennen. Dies ist der feinste Mann, den ich jemals getroffen habe. Ich hatte vor meiner Bekehrung viele kurzzeitige verletzende Beziehungen.

Aber nun hat mich völlig die Panik gepackt, weil ich feststellen muss, dass mich mein Freund sexuell nicht anzieht. Ich bin wirklich verzweifelt, da ich ihn so toll finde, wir so viel lachen, ich ihm absolut vertrauen kann, wir dieselben Hobbies teilen, viel unterwegs sind usw. Da ja in den Gemeinden nur über Sex als „Verbot von Sex vor der Ehe“ gesprochen wird, habe ich mich nun 10 Jahre damit beschäftigt, wie ich es schaffe, ohne Geschlechtsverkehr in die Ehe zu gehen. Jetzt stelle ich völlig entsetzt fest, dass das gar nicht mein Problem ist. Keine meiner Freundinnen hat so etwas erlebt. Für meinen Freund ist es ein harter Schlag, denn er empfindet ganz anders.

Ich will ihn nicht verlassen, möchte aber auch nicht zu denen gehören, die sich nach ein paar Jahren eingestehen müssen, sämtliche Warnzeichen ignoriert zu haben. Hast Du mir bitte irgendwelche Gedanken zu meinem Dilemma? Es ist heutzutage so schwer, jemanden wie ihn zu finden... ein autonom denkender Christ. Vielleicht noch was zu meiner Vergangenheit... Mein Vater hat meiner Mutter stets ihre sexuelle Unlust vorgeworfen und sie als frigide bezeichnet.

Ich wäre Dir für eine Antwort sehr dankbar, da ich echt nicht weiss, was ich tun soll.

Ganz liebe Grüße, Klara, 33 Jahre


Liebe Klara

Deine Situation bringt selbst mich ins Schwitzen. So gerne würde ich Dir sagen wollen, hey, so einen tollen Mann findest Du nicht wieder – Sex ist nicht das Wichtigste im Leben. Denn Du hast vollkommen Recht, gute christliche Männer gibt es nicht wie Sand am Meer. Andererseits bin ich natürlich genau mit denjenigen Menschen konfrontiert, zu denen Du in ein paar Jahren nicht gehören willst. Die ohne sexuelles Begehren geheiratet haben, in der Hoffnung, das werde sich dann schon einstellen – hat es aber nicht. Auf jeden Fall nicht von selbst.

Bist Du wenigstens verliebt? Es gibt nämlich das sexuelle Begehren und das Liebesbegehren. Beides kann ohne das andere vorhanden sein. Liebesbegehren äussert sich in der Sehnsucht nach dem geliebten Menschen und man verspürt ein Bedürfnis nach verliebter Nähe, Zärtlichkeit und Zuneigung, ohne jedoch genitale Erregung zu spüren. Sexuelles Begehren stellt sich in der Vorstellung ein, mit sich selbst oder mit einer anderen Person sexuell aktiv zu werden. Das hat eine erregende Wirkung und löste den Erregungsreflex im Geschlecht aus. Doch wenn Du bei Dir weder das eine noch das andere findest, würde ich schon sehr genau hinsehen.

Um sexuell zu begehren, braucht es ein Minimum an sexueller Anziehung für die andere Person. Einen besten Freund sollte man nicht zwingend heiraten, auch wenn der Liebste idealerweise natürlich bester Freund sein sollte, aber eben mit Benefits von sexuellem und Liebesbegehren. Normalerweise merkt man schon beim Küssen und all den Vorstufen von Sex, ob man sich körperlich anzieht oder nicht. Darum finde ich es schlimm, wenn gesagt wird, dass man auch mit Zärtlichkeiten vor der Ehe warten sollte. Ich muss den andern begehren können. Wenn ich den anderen gerne rieche, schmecke, wenn er mich gerne halten kann, wenn Schmusen und Küssen schön sind, dann geht auch der Sex.

Vielleicht bist Du ja verliebt und magst ihn wirklich sehr. Dann würde ich Eurer Beziehung eine Chance geben, sofern Du Dich in der Zwischenzeit mit Deiner Sexualität aktiv auseinandersetzt. Mein Buch LIEBESLUST aber auch das Buch WEIBLICH, SINNLICH, LUSTVOLL oder MAKE LOVE helfen Dir dabei, sofern Du nicht nur liest, sondern auch anwendest und übst. Um sexuell zu begehren braucht es nicht nur die Anziehung des Liebespartners, sondern auch eine Erotisierung von Dir selbst und Deinem Geschlecht. Du solltest Dich selbst in Erregung und Dein eigenes Geschlecht lustvoll finden, mal ganz unabhängig von der anderen Person. Wenn dem nicht so ist, braucht es Übung durch Berührungs- und Erregungserfahrungen, wodurch auch die entsprechenden Synapsen im Hirn gebildet und Wahrnehmung der Lust möglich werden.

Ihr seid zwar nicht mehr blutjung, aber doch auch noch nicht so alt, um die letzte beste Gelegenheit ergreifen zu müssen. Letzthin habe ich mich mit zwei Freunden über genau dieses Dilemma unterhalten. Denn wir leben tatsächlich in einer Welt, auch wir Christen, in der Verlieben offenbar sehr schwierig geworden ist. Verlieben, aber auch Binden. Der eine plädierte für wieder mehr Vernunftehen, weil schnell geschlossene Liebesheiraten in seinem Umfeld offenbar oft scheitern. Der andere vertrat die Meinung, und dazu tendiere auch ich, dass man doch mindestens ein bisschen oder wenigstens in der ersten Zeit verliebt sein sollte. Natürlich schreibe ich hier auf dem Blog, dass man lernen kann, seinen Partner zu lieben, ebenso, wie man lernen kann, sexuell zu begehren. Aber das schreibe ich an Menschen, die schon in einer Ehebeziehung sind. Doch zu einer Ehe ermutigen, wo das eine oder das andere oder sogar beides fehlt?

Vielleicht wäre eine Sexualberatung angebracht, wenn Du Sex generell nicht magst und nicht einfach nur Deinen Freund nicht sexuell anziehend findest. Ich denke, es wäre zudem nicht schlecht, mal über die Geschichte Deiner Eltern und Deine eigenen schlechten Beziehungserfahrungen zu reden. Es könnte nämlich auch sein, dass Du Dich mehr zu „Badboys“ hingezogen fühlst, die Dich zwar schlecht behandeln, aber einen gewissen sexuellen Reiz auslösen.

In diesem Fall wären ein paar grundsätzliche Gedanken zur Partnerwahl vom Paartherapeuten und Experte in Sachen Beuteschema Stefan Woinoff hilfreich. Er sagt, sein Beuteschema zu ändern sei oft schwierig. Selbst wenn man wisse, dass einem bestimmte Menschen nicht wirklich gut tun, heisse das noch lange nicht, dass einen die schädlichen Personen auf einmal nicht mehr anziehen. Ein wichtiger Schritt sei es, auch Personen eine Chance zu geben, die rational den richtigen Kriterien entsprechen, auch wenn sie nicht sofort Schmetterlinge in den Bauch zaubern. Vielleicht beginne dann die Beziehung nicht über das Hochgefühl der Verliebtheit, sondern es sei ein steter, langsamer Weg bis zur Liebe. Das wäre zwar weniger romantisch, aber langfristig erfolgreicher. Und in vielen Fällen gesünder. Flugzeuge im Bauch seien kein Gütesiegel für die wahre Liebe.

Liebe Klara, Dich entscheiden für diese Beziehung kannst letztlich nur Du. Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesen Zeilen ein paar hilfreiche Gedankenanstösse geben.

Herzlich - Veronika

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May 13, 2016

Meine Frau stellt mich sexuell auf's Abstellgleis

by Veronika Schmidt in Ehe, Ehesex, Fragen, keine Lust, Konflikte, Liebe, Lust, Midlife-Crisis, Selbstverantwortung, Stress, Zusammenleben, 2016


foto: liebesbegehren

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Hallo Veronika

Schon seit längerer Zeit fühle ich mich von meiner Frau (55) sexuell aufs Abstellgleis geschoben. Es gibt seit einer gefühlten Ewigkeit keinen Sex mehr. Sie hat immer fadenscheinige Ausreden und dadurch wird unsere Beziehung schwer belastet. Welche Hilfen und Tipps kannst Du anbieten?

Beste Grüsse, Victor, 59 Jahre


Lieber Victor

Hast Du es Deiner Frau schon mal gesagt, wie Du Dich fühlst - abgeschoben? Es ist etwas vom Schwierigsten in einer Paarbeziehung, miteinander darüber zu reden, was einen zutiefst beschäftigt. Es ist schon schwierig genug, seine eigenen Bedürfnisse dem Partner mitzuteilen. Aber noch schwieriger wird es, einander zu sagen, wo wir in der Beziehung leiden. Zwischen Deinen Zeilen lese ich, dass es Euch, wie übrigens vielen anderen Paaren auch, nicht gelungen ist, eine intime Kommunikation über die lange Dauer Eurer Beziehung aufrecht zu erhalten oder überhaupt zu entwickeln. Doch Kommunikation ist der Schlüssel, damit es beim Sex oder sowieso in der Beziehung klappt. Jemand mit viel Menschenkenntnis und Bucherfahrung sagte mir kürzlich: „Ich finde Dein Buch toll, wirklich, aber ich befürchte, dass einige Paare auf ein weiteres Buch angewiesen wären, das ihnen aufzeigt, wie man denn über Sex oder überhaupt miteinander spricht.

Aus Deinen Zeilen meine ich auch herauszuhören, dass sich bei Euch einiges an Frust angestaut hat über die Zeit. Es geht beim Sex nie nur um Sex. Du kannst davon ausgehen, dass Deine Frau ebenfalls nicht ganz glücklich in Eurer Beziehung ist. Darüber und über Dein eigenes Unglücklichsein solltet Ihr unbedingt sprechen. Oft schafft man das nach einer gewissen Zeit der Sprachlosigkeit aber leider nicht mehr alleine. Wenn das bei Euch so sein sollte, holt Euch Hilfe von aussen.

Wenn Ihr Euch grundsätzlich gut gesinnt seid und einfach Anregung braucht, um über Sex zu reden, dann könnten Euch folgende zwei Bücher helfen:

  • THINK LOVE – das indiskrete Fragebuch – von Ulrich Clement
  • DAS PAAR-DATE – miteinander über alles reden – von Caroline Fux und Joseph Bendel

Oder lest Euch gegenseitig mein Buch LIEBESLUST vor und wendet das Gelesene ganz praktisch an.

Eine schöne Beziehung und offene Gespräche sind nicht gratis. Wir brauchen die Fähigkeit, uns mit dem anderen zu verbinden, ihm Gegenüber zu sein, uns mitzuteilen und mit einer gewissen Intensität zu kommunizieren, zu der auch konstruktive Auseinandersetzungen gehören. Jede Form intimer und intensiver Kommunikation lässt ein Paar sich gegenseitig zu engen Vertrauten werden. Sex schließlich ist die intimste Form von Kommunikation. Deshalb scheitern viele Paare, die nicht miteinander sprechen können, auch in ihrer Sexualität.

Auch wenn es dabei mal zum Streit kommt - so ganz nebenbei - richtig streiten macht den Sex besser! Richtig streiten gibt Reibung, und Reibung erzeugt Wärme. „Richtige“ Auseinandersetzung bringt Innigkeit und Lebendigkeit. „Richtige“ Auseinandersetzung hat mit einer harmonischen Leidenschaft zu tun, die nicht destruktiv ist. Glückliche Paare streiten um dieselben Dinge wie unglückliche Paare. Nur führen diese Konflikte beim glücklichen Paar nicht zum trennenden Krach oder zum Rückzug. Glückliche Paare reagieren mit Einsicht, Entgegenkommen und Angeboten. Sie haben gelernt, miteinander auszuhandeln, zum Beispiel auch den Sex. Sie können besänftigend kommunizieren, weil sie wissen, dass ihre eigenen Gefühle nicht die ganze Wahrheit sind. Sie können um Verzeihung bitten auf eine Art, dass der andere diese annehmen kann. Sie stehen einander kritisch gegenüber, was manchmal nicht ohne Vorwürfe möglich ist. Aber wer lernt, Vorwürfe als wichtigen Hinweis für persönliche Entwicklungen zu sehen, kann sie für sich und die Beziehung fruchtbar machen. 

Heute kennen viele Menschen wichtigste Gesprächsregeln wie Ich-Botschaften, keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen und keine Interpretationen. Doch meistens fehlt es daran, dass die eher schwierigen Gespräche wirklich stattfinden. Dass dafür Rahmen und Zeit geschaffen werden. Denn selbst in der Kommunikation geübte Paare drücken sich, wenn es darum geht, den Dingen genauer auf den Grund zu gehen. Deshalb mein Tipp an Dich: Verschone Dich selbst oder Deine Frau nicht länger vor unangenehmen oder schmerzhaften Ehrlichkeiten. Du brauchst nicht den Holzhammer hervor zu holen, sondern den Stier bei den Hörnern zu packen. Sprich zu Deiner Frau – stelle ihr Fragen. Fragen zu Eurem Sexleben bzw. dem nicht existierenden Sexleben. Weisst Du, was Deine Frau an Dir oder Eurer Beziehung stört? Worüber sie ebenfalls nicht glücklich ist? Du kannst nicht einfach so wissen, was in ihr vorgeht. Und ebenso, wie wir verlernen können, darüber zu sprechen, wie es uns geht, was uns beschäftigt, woran wir leiden, können wir es auch wieder erlernen. Aber Ihr müsst es tun. Und letztendlich auch den Sex einfach wieder mal tun.

Ich wünsche Dir viel Mut für den ersten Schritt.
Herzliche Grüsse - Veronika

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